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Monday, May 6th 2019, 8:44am

6 Jahre nach letztem “Vampire Weekend”-Album: Warum ich die Indie-Rock-Band immer noch liebe

Ich war noch niemals in New York. Ich kenne den Big Apple nur aus diversen amerikanischen Filmen, Serien wie "How I Met Your Mother" und "Girls" und den Bildern, die man halt so in den Nachrichten sieht. Trotzdem glaube ich manchmal genau zu wissen, wie diese irre Stadt ticken mag – nun gut, zumindest der Kreis, in dem ich mich gerne sehen würde. Schuld daran sind Vampire Weekend. Die haben jetzt mit "Father of the Bride" nach sechs Jahren Pause endlich ein neues Album. >>Vampire Weekend covern Post Malones "Sun Flower" und es ist total abgefahren Ich weiß auch nicht, aber diese Band hat es mir gleich angetan. Ich bin verrückt nach Vampire Weekend. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, ich glaube, ich habe einen guten Draht zu ihnen. Zumindest in meiner Vorstellung. Ich könnte, glaube ich, sehr gut mit den verschrobenen, komplizierten Dudes. Manchmal scheint es so, als sei Vampire Weekend nur Sänger Ezra Koenig. Das offizielle, und irgendwie auch einzig verfügbare, aktuelle Promobild zu diesem Album ist eben jenes, das auch diesen Artikel schmückt. Wer ist darauf zu sehen? Nur Ezra. Tatsächlich ist er das Mastermind der Truppe, der die Band auch vor gut 13 Jahren ins Leben rief – und nach dem Weggang des anderen musikalischen Genies in der Band, Rostam, vor zwei Jahren, ist Ezra Koenig wieder allein der Steuermann. Die anderen bleiben lieber dezent im Hintergrund. Das verträgt sich ganz gut und ist auch Teil des wohligen Gefühls, welches "Father of the Bride" produziert: Es ist wie ein Wiedersehen mit einem guten, alten Freund, den man lange nicht mehr gesehen hat. Trotzdem kommt es einem so vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass man die Nacht zusammen zum Tage gemacht hat, sich die kleinen Dramen des Lebens anvertraut hat ihr wisst schon: fremdgehen, große Liebe, Quarter-Life-Crisis und so … oder einfach an einem sonnigen Tag ins Auto steigt und irgendwo raus fährt. Bei Vampire Weekend klingt es immer so, als wäre ich dabei. Dabei, wenn Ezra und seine Clique ihre Abenteuer im hipsteresken New York erleben. Die Songs erzählen kuriose Geschichten, überall ein kleines Geheimnis oder ein Verweis auf früher, den nur die verstehen, die schon immer Teil des eingeschworenen Haufens waren. "Harmony Hall" etwa, das erste Lebenszeichen der Truppe nach sechs Jahren Pause, ist eine Anspielung auf den Gründungsort der Band, ein schnödes Studentenwohnheim an der Columbia Universität im New Yorker Stadtteil Morningside Heights, der zu Manhattan gehört. Gleichzeitig hat es aber, laut Songwriter Koenig, einen medienkritischen Bezug, als Synonym für unsere Filterblasen, in denen wir alle Dank Newsfeeds, und Co. irgendwie leben. Wie clever! Genau deswegen finde ich es auch irgendwie witzig, dass das Album nach einer Rom-Com aus dem Jahr 1991 bzw. 1950 benannt ist. Es passt nur zu gut. Weil es die gleiche Art von feinem Witz hat. Die Hochzeit wird zur Metapher für unsere konfuse, oftmals paradoxe Welt. Hinter jeder Begebenheit lauert eine Wendung, aber am Ende fügt sich doch alles zusammen. Am besten erkennt man das vielleicht beim Stück "This Life", eine der sage und schreibe sechs Singles, die vorab schon ausgekoppelt wurden – das ist ein Drittel des gesamten Albums! Da wird zuerst das Bild vom sonnigen Kalifornien gezeichnet, indem es aber – oh Verwunderung – doch auch mal regnet. Natürlich eine recht platte Metapher, aber sie ist der Rahmen der Geschichte. Denn es folgt eine Fremdgeh-Beichte. Okay, nicht einer hat den anderen betrogen, beide haben fremdgevögelt – was dann zu interessanten Selbsteinsicht führt, dass man sich bis jetzt irgendwie die ganze Zeit durchs Leben geschummelt habe. "Oh Christ, am I good for nothing?", ist dann das Resümee. Es ist das Spiel mit einer Friede-Freude-Eierkuchen-Illusion, die auch noch musikalisch getragen wird, dann aber sofort durch Text und irgendeine kleine Disharmonie wieder dekonstruiert wird. Oh, wie sehr ich Ambivalenzen liebe! Ein Rezept das Vampire Weekend schon immer perfekt umsetzen konnten. Als ihr selbstbetiteltes Debütalbum erschien, war ich 18. Jung, Abi in der Tasche, die Uni lag vor mir und ich war hungrig auf das neue, aufregende, noch fremde Leben, das da vor mir liegen sollte. Die wilden Songs à la "Oxford Comma" oder "A-Punk" versprühten all das und noch mehr: Leicht sophistisch, spitzzüngig, ich musste mich wirklich mit den Lyrics auseinandersetzen, um all die versteckten Anspielungen vollends zu entschlüsseln, von denen ich zwar eine Ahnung hatte, dass sie irgendwie mehr bedeuteten, aber nicht genau was. Vampire Weekend damals zu entdecken, war ein bisschen, wie einen anspruchsvollen Roman von Kérouac zu lesen oder ein Drama von Brecht. Faszinierend und doch ambivalent. Diese Band zog mich sofort in ihren Bann. Auch weil sie mir nur einen Hauch davon mitgab, wie cool New York und die legendäre Columbia University doch sein müssen. Wenn da so eine Band entstehen kann, wie großartig muss es da sein? Vor allem war die Musik von Vampire Weekend aber eins: erfrischend neu und total ungewöhnlich. Afrikanisch-orientalische Versatzstücke, Elemente jüdischer Klezmer-Musik und die westliche Rockmusik wurden in den Mixer gesteckt und explodierten in einem irren Spektakel. So ist das noch immer und es ist sehr schön. Ich kann nicht sagen, welches Vampire Weekend Album ich am besten finde. Egal ob das Debüt, "Contra" aus dem Jahr 2010 oder "Modern Vampires of the City" von 2013, jedes erzählt seine eigene Story und ist ausgeklügelt bis zum geht nicht mehr. Ich weiß nur, dass sechs Jahre auf ein neues Album zu warten, echt eine lange Zeit war. Das ist so, als wenn du dich immerzu mit einem deiner besten Freunde aus alten Tagen immer wieder verabreden willst, aber es kommt einfach immer irgendwas dazwischen. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo man eh nicht mehr so recht daran glaubt, dass ein Wiedersehen irgendwann klappt. Nicht dass man sich nicht mehr mag, aber es ist eben schwierig – so ist das auch mit "Father of the Bride" von Vampire Weekend gewesen. Und jetzt nach unzähligen Male Dauerschleife hören, kann ich sagen: "Welcome back in my life!" >> Pop-Folk-Trio Bailen: Ein neuer Sommer-Soundtrack aus New York Vielleicht ist "Father of the Bride" sogar das brillanteste Werk von Vampire Weekend. Das experimentelle "2021" kommt so verdammt lässig daher, dass man sich fragt, wieso Vampire Weekend nicht schon eher crazy Synths benutzt haben. "Harmony Hall" hingegen ist eigentlich ein Abklatsch in neuem Gewand von der eigenen Komposition "Finger Back". Die erschien übrigens auf dem Vorgänger-Album und schon damals war die Zeile: "I don't wanna live like that but I don't wanna die", so simpel wie großartig zugleich. Dafür sind die Gitarren-Riffs vielleicht präziser als sie bei dieser Band jemals waren und alles fügt sich musikalisch so geschmeidig zusammen, dass man sich nur schwer vorstellen kann, wie dieses Album nicht den ganzen Sommer rauf und runter gespielt werden soll. Als Fan liebe ich jeden einzelnen Song. Am meisten glaube ich den Closer "Jerusalem, New York, Berlin". An zwei der drei Orte war ich schon, nur eben in New York nicht – aber für die zwei anderen Orte ist er die perfekte musikalische Übersetzung. Darauf ein "Woohoo!“ Wer jetzt noch nie etwas von Vampire Weekend gehört hat, dem sei empfohlen, dass schnellstmöglich nachzuholen. Am besten mit dem neusten Werk und dann chronologisch zurück arbeiten. Hier kannst du mit "Father of the Bride" anfangen:  "Father of the Bride"