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Monday, May 6th 2019, 8:44am

Diagnose: Melancholie - Susan Wolf mit neuem Album „I Have Visions“

Von Barbara Unterthurner Innsbruck – Als Soe Tolloy meinte sie noch, ihr Lebensmittelpunkt werde immer Tirol bleiben: „Die Berge können gar nicht hoch genug sein.“ Das war 2013. Inzwischen ist Soe Tolloy Geschichte, und auch ihre Leidenschaft zu den Bergen scheint zu bröckeln. Als Susan Wolf ist die gebürtige Telferin Susanne Maierhofer nun musikalisch zurück. Und zwar immer wieder mal von Dänemark aus. Ihr Lebensmittelpunkt ist nicht mehr nur Tirol. Live in Tirol ist Susan Wolf, die mit ihrem neuen Namen ihres Vorbilds – genauer ihrer talentierten Großmutter – gedenkt, mit ihrem neuen Album „I Have Visions“ am kommenden Sonntag im Innsbrucker Treibhaus zu Gast. Dort stand sie schon früher auf der Bühne. Allerdings eine kleinere Station im Vergleich zu Support-Auftritten bei Größen wie Stimmwunder Katie Melua, die sie auf ihren Österreichterminen begleiten durfte. Mit den US-Rockern von Giant Sand tourte Soe Tolloy durch Italien. Auch in Castingshows, etwa bei Stefan Raab oder in der „Großen Chance“ auf ORF, war Soe dann zu sehen. Dann wurde es aber still um die Telferin. Der Familie und auch ihrer Gesundheit zuliebe vor nunmehr elf Jahren bekam Maierhofer die Diagnose Multiple Sklerose gab sie die Musik auf. Ein krasser Schnitt: Die Musikerin verkaufte ihre Gitarre, wandte sich ihrem Studium zu und spielte höchstens zu kleinen Anlässen; immer wieder mal sang sie Jazzklassiker in Hotellobbys. Und war mit diesem Entschluss doch nie ganz zufrieden. Bis eines Tages die erneute Wende kam. Auf eben einem dieser kleinen Hotellobby-Gigs. Ein begeisterter Zuhörer konnte damals nicht akzeptieren, dass die Musikerin nicht auf einer großen Bühne spiele. „Er hat mir eine Gitarre gekauft“, erzählt Susan Wolf im Interview. „Das war für mich ein klares Zeichen, dass ich wieder Musik machen musste.“ Sie löste sich aus einer bestehenden Beziehung und zog mit ihrem heute zwölfjährigen Sohn aus. Auch um wieder freier Musik zu machen. Es ist ein Album des Sich-Wiederfindens, erzählt Susan Wolf im Gespräch über die neue Platte. Der Titel „I Have Visions“ verweist nicht umsonst auf die Zukunft. Seit Februar ist die Scheibe erhältlich, jetzt geht Wolf damit auch auf Tour. Nicht nur als Persönlichkeit scheint die Musikerin gereift, die Erfahrungen der letzten Jahre schreiben sich auch in die Musik der inzwischen 34-Jährigen ein. Susan Wolf will nicht mehr gefallen, sondern hat einen eigenen Stil gefunden, der sich ihrer charakterstarken Stimme verschreibt. In „I Have Visions“ fühlt sich die Musikerin in sanften Americana-Rhythmen wohl. Sphärische Mellotron-Klänge verleihen dem Ganzen zusätzlich einen reizvollen Vintage-Charakter. Der Track „Wild Nights“ mit seiner düsteren Bluesattitüde könnte gut und gern auch als Filmmusik in einem Streifen von Quentin Tarantino erklingen. „100 Miles of Pain“ oder „Love, Faith, Hope“ tauchen hingegen mit ihren zweistimmigen Refrains tief in den Country ein. Was auch heißt: Der Kitschfaktor schnellt in die Höhe. Bereits genanntes „Wild Nights“ oder „Two Souls“ sind dabei weitaus coolere Nummern, die der Tiroler Musikerin gut stehen. Auch weil sie stark klingen. Denn auch wenn die Texte weitestgehend positive Visionen vermitteln, überwiegt textlich die Melancholie. Was – wenn sie nicht allzu weinerlich vorgetragen wird – auch ziemlich cool klingen kann: siehe Lana Del Ray. Im Gegensatz zu der US-Amerikanerin fehlt Wolfs Platte allerdings der zeitgenössische Dreh. Dass sich die Tirolerin aber wieder in der Musik daheim fühlt, ist wichtig und richtig. Denn da gehört sie hin. Egal ob in Tirol oder in Dänemark, egal ob als Soe Tolloy oder Susan Wolf. PopAmericana Susan Wolf: I Have Visions. Jazzhouse Records. Live: 12. Mai, Treibhaus Innsbruck.